Ja, mit dieser dreiteiligen Überschrift möchte ich euch mein vergangenes Wochenende (10. + 11. Oktober) und die Tage davor beschreiben. Wenn ihr den Hintergrund dazu erfahren möchtet, dann müsst ihr euch jetzt durch den weiteren Text „quälen“.
Nun ja, dann frage ich euch also, habt ihr wirklich schon einmal den Regen gesehen? Ihr werdet sicherlich sagen, na klar und natürlich habt ihr auch recht. Nun, jetzt kommt aber das berühmt berüchtigte „aber“. Also: aber, habt ihr ihn schon einmal so gesehen, dass es richtig lange, richtige heftig regnet und es so stark auf das Dach prasselt, dass du den Menschen, der 2 Meter von dir weg sitzt nicht mehr richtig verstehst, sodass ihr den MP3-Player in euren Ohren nicht mehr hört (gut das mag auch etwas durch die Konstruktion des Hauses bedingt sein)? Sodass, danach die Sandstraße unter Wasser steht und du bei deinem Weg nach Hause umdrehen musst, weil der „See“ auf der Straße zu groß ist und von der einen Seite zur Anderen, ja sogar darüber hinaus auf die Wiese reicht?! Nun ja, ich bin sicher ihr habt irgendwann den Regen schon einmal so in seiner Intensität erlebt, aber wer weiß, ob über so eine lange Zeit. Denn nun zur Erklärung. Mittlerweile sind wir in der kleinen Regenzeit angelangt. Es regnet zwar nicht jeden Tag, aber schon so alle 2-3 Tage und wenn es regnet, dann eben richtig heftig und lange (mind. 1 Stunde)! Die Straßen sind dann richtig überflutet, da es eben fast nur Sandstraßen sind (wie auf dem Bild zu erkennen, wobei es dort noch angenehm ist). Aber auf den Straßen, auch wie auf dem Bild fahren wir immer noch Motorrad
! Ist dann eine Slalomfahrt: rechts und links, auf und ab manchmal auch n. Abends ging es dann relativ spontan auf ein Konzert, von einem richtigeneinfach gerade durch das Wasser durch. Aber irgendwie macht das ja auch Spaß. Nun ja, so war es die gesamte letzte Woche.
Jetzt zum Wochenende und also zu den anderen Überschriften. Samstagmittag bin ich nach Cotonou gefahren um mich mit einem Beniner zu treffen, da ich mit ihm am Sonntag ins Stadion gehen wollte. Zum WM-Qualifikationsspiel zwischen Benin und Ghana. Natürlich war ich mit nichts ausgestattet und so kann ein „richtiger“ Fan von Benin natürlich nicht „sein“ Team unterstützen. Also, der erste Gang am Samstag ging auf den Markt um sich das Benintrikot zu besorgen und natürlich eine Fahne von Benin. Ausgestattet mit einem neuen Trikot verlief der Nachmittag recht legere. Geredet, Bier getrunken, den Beninern Cuba libre gezeigt, der deutschen Juniorennationalmannschaft im Fernsehen zu gesehen, essen und relaxt auf dem Sofa sitze beninischen Star und hinter Angelique Kidjo der bekannteste beninische Sänger: Danialou SAGBOHAN. Mit Sicherheit wohl jedem ein Begriff, naja oder auch nicht
…. In Frankreich aber anscheinend sehr bekannt. Selbstverständlich war es ein Freiluftkonzert in der Nähe vom Meer. Leider sind wir zu spät gekommen und es wurde niemand mehr in den Innenbereich hineingelassen, sodass wir weit von der Bühne wegstanden und nur die Musik hörten. Naja, das hat uns natürlich nicht ausgereicht. Wenn ich mal eine „Größe“ sehe, dann aber richtig. Nun ja also einfach zu den Sicherheitsleuten mit meinem Kumpel hin, diskutiert, gesagt, dass wir leider etwas zu spät gekommen sind, aber gerne hinein möchten. Nun ja, die Sicherheitsleute haben unter einander diskutiert und dauerhaft das Wort Yovo benutzt. Der aufmerksame Blog-Leser kennt selbstverständlich jetzt den Sinn dieses Worts. Sie haben diskutiert und uns letztendlich rein gelassen, da man den Yovo doch nicht einfach draußen stehen lassen kann. Ich habe es liebevoll den Yovo-Effekt getauft, dem einem doch einiges ermöglicht! Das Konzert war wirklich richtig gut. Sagbohan ist richtig talentiert, wechselt dauerhaft sein Instrument und singt richtig gut. War richtig, richtig gut. Nachdem Konzert ging’s noch mit ein paar Beninern in eine Bar um noch ein paar Bier zu sich zu nehmen und letztendlich um halb 4 todmüde ins Bett zu fallen.
Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen des Fußballs. Um 9 Uhr aufgestanden, schnell gefrühstückt (Reis) und zum Stadion um noch an ein Ticket zu gelangen. Das Ticket hat letztendlich 2000 Francs (ca. 3€) gekostet und war die zweitbeste Kategorie. Ausgestattet mit einem Benintrikot hat man ganz schnell quasi alle Beniner als Freunde. Richtig viele die mir über den Weg gelaufen sind, haben mir die Hand gegeben, haben mir gewunken, haben mir den Daumen hoch gezeigt und sich einfach nur gefreut, dass ich Benin unterstütze. Manche haben gesagt, dass wegen mir Benin gewinnen wird
! In der Nähe des Stadions sind wir einer Gruppe Zemfahren über den Weg gelaufen. Sie saßen gemütlich zusammen und haben gesehen, dass ich gerade ein Foto gemacht hatte. Sie wollten, dass ich auch eines von ihnen mache (kam mir gerade recht) und haben gesagt, ich sollte den Tee probieren, der direkt neben ihnen verkauft wird. Wir natürlich hin, probiert und ich hole das Geld raus um zu bezahlen. Zu meiner Verwunderung haben die Zemfahrer (die sonst richtig knausrig mit dem Geld sind und oft sehr unfreundlich) mich eingeladen mit der Begründung: Ein Yovo mit einem Benintrikot muss man einladen (könnte man wohl als Yovo-Effekt Teil II bezeichnen). Da es natürlich nur bestimmte Sitzbereich gibt und keine reservierten Plätze, sind wir schon um 13Uhr 30 ins Stadion gegangen. Das Spiel begann um 16 Uhr. Und obwohl ich euch ja gerade noch von richtig starkem Regen erzählt habe, war es an diesem Tag so richtig heiß und keine Wolke am Himmel. Das Wetter ist gerade sehr wechselhaft. An einem Tag regnet es so richtig heftig, am nächsten Tag ist es richtig heiß und evtl. schwül. Aber egal ob Regen oder nicht, sehr warm ist es trotzdem und erstaunlicherweise doch immer angenehm. Außer zu Hause habe ich nie eine kurze Hose an, da es in Benin nicht üblich ist. Ihr sagt, ihr würdet eingehen bei Tagen mit über 40°C im Schatten und langer Hose? Hätte ich wohl vor 2 Monaten auch gesagt. Aber man gewöhnt sich eben an so einiges. So dies war mal wieder ein Ausflug in die Bereiche des Wetters, was aber auch zur Erklärung der dritten Überschrift dient
! Also angekommen im Stadion mussten wir noch 2 ½ Stunden auf Steinboden (welche als Sitze dienen) verbringen bis das Spiel anfing. Und nach einer Weile in der knalligen Sonne wurde sie doch irgendwann richtig stechend. Es war einfach nur heiß, kaum Wind und man saß einfach nur da ohne etwas zu tun. Kam man schon ins schwitzen kommen, denn eine Überdachung gibt es nicht… 16 Uhr ging es letztlich los, die Temperatur immer noch sehr heiß. Das Spiel selber war gar nicht so interessant, der afrikanische Fußball ist doch sehr langsam. Die Stimmung und die Umgebung im Stadion dafür viel besser. Überall afrikanische Trommeln, afrikanische Rhythmen, Gesang und einfach nur richtig viele nette Beniner. Die Stimmung war einmalig! Bei jedem Schuss auf’s Tor sind alle im Stadion ausgerastet und haben sich gegenseitig animiert. Als dann in der Nachspielzeit das 1:0 für Benin fiel und das Spiel entschieden war, war die Stimmung am Überkochen. Man konnte nicht mehr gerade stehen, v.a. ich als Weißer wurde hin und her gestoßen, von allen Seiten umarmt (Yovo-Effekt Teil III), Geschrei, weiterhin Getrommel. Und das danach richtig, richtig lange. Einfach ein tolles Erlebnis. Doch einfach etwas anders wie bei uns! Leider konnte Benin es so oder so nicht mehr in die WM schaffen, aber mit dem Sieg gegen Ghana haben sich les écureuils (so werden die Beniner Fußballer genannt, was so viel wie Eichhörnchen heißt) für die Afrikameisterschaften im Januar 2010 qualifiziert (wer jetzt kombiniert hat auch die dritte Überschrift verstanden). Das war’s jetzt zum Wochenende.
Da der Eintrag jetzt eh schon so lange ist, kann ich auch noch etwas Allgemeines hinzufügen
! Mittlerweile hat das Schuljahr für die Kinder angefangen und Almut und ich sind richtige Lehrer am Collège geworden. Zum einen richtige Lehrer für Informatik (wobei uns immer noch die PCs fehlen) und dann für Übungsstunden in Englisch. Ich glaube, dass jede Übungsstunde, die wir mit ihnen in Englisch machen, besser ist als jede Unterrichtsstunde, da die Lehrer echt schlecht sind (mit Ausnahmen). Sie machen viele Fehler und die Kinder lernen es natürlich auch falsch. Manche können in der vorletzten Klasse nicht einmal einen richtigen englischen Satz bauen. Naja Informatik ist weiterhin nur Theorie. Das müssen wir jetzt 9 Monate durchziehen. Weiß noch nicht genau wie ich das genau machen werde, aber wie sagt der Beniner „On verra“ (wir werden sehen). Aber wir hatten eine Idee. Wir werden Firmen in Deutschland, Frankreich und so anschreiben, ob sie nicht alte Laptops haben, die sie uns senden können. Transportkosten würden wir organisieren, sodass die Firmen ohne Kosten ihre alten Laptops entsorgen können und dabei noch was Gutes tun. Wir werden alles versuchen um das hinzubekommen.
Naja sonst, haben wir uns so langsam echt eingelebt. Die Wäsche wird weiterhin von Hand mit kaltem Wasser und einem Stück Seife gewaschen. Wir essen viel beninisch. Was sich teilweise echt eklig anhört aber gar nicht so schlimm ist. Ich habe beispielsweise schon Feldratte gegessen. Andere aber auch schon Eichhörnchen (also mal wieder Teil II einer Überschrift: extrem heiße Eichhörnchen), Taube und was weiß ich, was ich noch entdecken werde. Grevetten in Saucen esse ich mittlerweile mit Haut, Fühlern und Kopf. Vom Fisch wirklich jede Gräte und die Haut zu entfernen wird eh viel zu überbewertet und verschiedene Innereien sind schließlich auch zum Essen da
! Und es schmeckt trotzdem lecker. Eigentlich sagt man ja, man soll einen Text mit etwas Schönem aufhören, aber da der Eintrag eh schon viel zu lang geworden ist. Dürft ihr euch jetzt weiterhin mit dem Ende ekeln.